Fünf Säulen der SMJ

In einem Prozess der Neugründung und Identitätsfindung der SMJ Deutschland, wurde 1999 der Versuch unternommen, unsere Arbeit und unsere Spiritualität zu definieren und in Worte zu fassen. Dafür fand sich eine Gruppe von 5 jungen Männern, die sich stellvertretend für uns und die gesamte SMJ Deutschland dieses Projektes annahmen. Interessanterweise hatte dieses Projekt einen Rückkopplungseffekt auf die 5 Männer, die im Rahmen ihrer Arbeit eine so starke Gemeinschaft entwickelten. Sie definierten sich später selbst als „Pars Motrix“ (lat. der bewegende Teil), weil sie sich immer mehr der großen Bedeutung dieser Aufgabe bewusst wurden.

Das Ergebnis dieses Prozesses findet sich in den als 5 Säulen bezeichneten Texten, die als (geistiges) Fundament unsere Arbeit tragen und von der Jahreskonferenz der SMJ Deutschland im Dezember 1999 verabschiedet wurden.

In der Vorbereitung zum 100-jährigen Jubiläum der Schönstatt-Mannesjugend im Jahr 2012 stellten wir uns die Frage, was die SMJ nach 100 Jahren heute ausmacht. Die Antwort darauf fanden wir in den unten aufgeführten Säulentexten aus dem Jahr 1999. Zum 100-jährigen Jubiläum der SMJ wollten wir als heutige Generation ein Denkmal für die SMJ unserer Zeit errichten und planten deshalb neben dem Taborheiligtum in Vallendar einen großen Platz, an dem 5 große Steinsäulen aufgestellt wurden. Dieser Säulenplatz wurde von jungen Männern aus ganz Deutschland in Eigenarbeit gebaut und gestaltet und am 18.10.2012 im Kreise der SMJ Deutschland feierlich eingeweiht.

Als Grundpfeiler der SMJ gelten die Fünf Säulen der Mannesjugend: Gemeinschaft, Lebensschule, Liebesbündnis, Mannsein und Apostelsein.

Gemeinschaft

Die SMJ ist eine von tiefen Beziehungen getragene Gemeinschaft. Jeder einzelne ist ein wichtiges Mitglied und soll sich wohl fühlen und akzeptiert werden. Die Originalität der einzelnen sorgt für eine Vielfalt an Talenten, Typen und Temperamenten und prägt den Reichtum unserer Gemeinschaft. Jeden nehmen wir so an, wie er ist. Das Große in ihm möchten wir fördern. In der Gemeinschaft entwickeln wir uns zu starken, selbstständigen Persönlichkeiten.

Der Glaube an Jesus Christus trägt unser Miteinander. Gemeinsam gelebter Glaube soll zur persönlichen Gotteserfahrung führen. Dadurch helfen wir einander, dass jeder seinen Zugang zu Gott findet. So entsteht junge Kirche.

Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Mt 18,20

In der SMJ wird Gemeinschaft zum Erlebnis. Bei unseren Veranstaltungen, Treffen und Aktionen schaffen wir die Voraussetzungen für eine positive Gemeinschaftsatmosphäre.

Die Vision Pater Kentenichs von der „Neuen Stadt“ ist uns Auftrag und wird in unserem Jugendzentrum in Schönstatt erlebbar, das von der SMJ Deutschland errichtet wurde und als zentraler Sammelpunkt dient.

Das Ziel, an dem wir uns orientieren, ist die Neue Gemeinschaft, „die ein seelisches Ineinander und Miteinander und Füreinander kennt“ (Josef Kentenich). Jeder soll sich bei uns wohl fühlen und akzeptiert werden

Lebensschule

Die SMJ ist Lebensschule zur Entfaltung der Person.In dieser Lebensschule geht es um jeden einzelnen. Sein Leben steht im Mittelpunkt.

Als junge Menschen sind wir auf der Suche nach uns selbst. Die eigenen Stärken und Grenzen wollen wir entdecken und mit ihnen umgehen lernen. Die Entfaltung der ganzen Person erheben wir deshalb zum Programm. Sich selbst erziehen zu einer festen, freien, christlichen Persönlichkeit ist unser Ziel.

In unserer Lebensschule lernen wir voneinander. Ältere werden geschult, bei Jüngeren die Fragen und Entwicklungen wahrzunehmen, die sie selbst vor wenigen Jahren durchlebt haben. Das befähigt sie, sich für sie einzusetzen und eigene Erfahrungen an sie weiterzugeben. Die Jüngeren sollen in ihnen ein Vorbild für die eigene Lebensgestaltung finden können. So übernimmt Jugend für Jugend Verantwortung.

Also schätzen wir von jetzt an niemand mehr nur nach menschlichen Maßstäben ein. Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung. 2Kor 5,16f

Die SMJ erlebt sich vor allem auf Zeltlagern, Tagungen, in den Kreisen und Gruppen als Lebensschule. Alle Lebensbereiche der Jugendlichen kommen hier zur Sprache.

Wir wollen Räume schaffen, in denen jeder ermutigt wird, sich auf die Suche nach seinem Persönlichen Ideal zu machen. Damit meinen wir den göttlichen Funken, der in jedem ganz einzigartig brennt. Dieses Geschenk ist das Ziel, auf das hin wir unser Leben ausrichten. Es ist für viele wichtig, sich in dieser Lebensphase einen geistlichen Begleiter zu wählen, der einen Teil des Lebens mit einem geht.

Dies ist unser Weg, Neue Menschen zu werden, denn „der ganze Sinn der Jugendreife ist weiter nichts als die Entwicklung des Persönlichen Ideals“ (Josef Kentenich).

Liebesbündnis

Die SMJ lebt mit Maria im Liebesbündnis ihre Bindung an Gott und die Menschen. Im Liebesbündnis wird unser Glaube konkret. Dieser Glaube geht unter die Haut.

Wir wollen mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und zugleich mit dem Herzen in Gott verankert sein. Unser Glaube muß alltagstauglich sein. Alles, was der einzelne erlebt, kann für ihn ein Sprungbrett zu Gott sein. Unsere Spiritualität durchdringt so all unsere Lebensbereiche. Denn Gott hat, wie es die Bibel beschreibt, mit Mensch und Schöpfung seinen Bund geschlossen.

Beziehungen sind der Geschmack am Leben. Je mehr ein Mensch diese gestalten kann, umso bindungsfähiger wird er. Wir legen Wert auf das Wachstum unserer Bindungen an Menschen, Orte und Ideale. Dieses Netz von Bindungen erleichtert es uns, das persönliche Bündnis mit Gott zu leben.

Das Liebesbündnis mit Maria ist unser Schlüssel zu einem lebendigen Glauben. Wir haben sie gern und setzen uns für sie ein. Was in der Taufe Grund gelegt ist, vertiefen wir in unserer Beziehung zu ihr. Wir binden uns an die Mutter und Erzieherin Jesu und wollen in ihrer Begleitung lernen, als Christen zu leben. Entsprechend unserer persönlichen Entwicklung erneuern und festigen wir unser Bündnis mit ihr.

Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Joh 19,26-27

Die Erfahrung der SMJ ist, dass unser Glaube an Orten konkret werden will. Das Heiligtum, jene kleine Kapelle, in der die ersten von uns Schönstatt gegründet haben und das überall nachgebaut wird, ist für uns ein solcher heiliger Raum. Hier kann man zur Ruhe kommen und fühlt sich zu Hause. Dort wird das Liebesbündnis zur spürbaren Energiequelle.

Bündnisweihe im Heiligtum

In unserer Gebetskultur legen wir großen Wert auf persönliche, frei formulierte Gebete. In ihnen bringen wir unsere Lebenswelten zur Sprache und vernetzen sie mit Gott. Mit ihm versuchen wir durch Gebete den Tag entlang in lebendiger Verbindung zu bleiben. Diese bewusste Gestaltung des Alltags nennen wir Geistliche Tagesordnung.

Dieses Bündnis ist die Ur- und Grundform unserer Existenz, die zündende Zielgestalt und die Grundkraft für den ganzen Menschen in allen Situationen. Josef Kentenich

Mannsein

Die SMJ schafft Raum für echtes, ganzheitliches Mannsein. Ein echter Mann trainiert alle seine Seiten. Bei uns entsteht Männerkultur, denn wir lernen miteinander und voneinander.

Die eigene Männlichkeit zu entdecken, ist für einen Jungen ein großes Abenteuer. Für sein Selbstbewusstsein ist es notwendig, dieses Profil seiner Person zu entwickeln. Seine Kräfte, die er messen will und deren Grenzen ihn herausfordern, gehören ebenso dazu, wie seine Fähigkeit, etwas zu leisten und schöpferisch zu sein. Wir legen wert auf eine unbefangene und ehrfürchtige Bejahung des eigenen Körpers. Sie soll uns helfen, ein reifes Verhältnis zur eigenen Sexualität zu finden.

Jungs und Mädchen brauchen für ihre Suche nach Identität eigene Räume. Deshalb ist unsere Jugendarbeit geschlechtsspezifisch. Männlichkeit kann sich bei uns in ihrer ganzen Breite entfalten. Dazu gehören: Sich ausprobieren, seine Gefühle zum Ausdruck bringen, Schwächen ehrlich anerkennen. Die gemeinsamen Ziele helfen uns Misserfolge und Grenzüberschreitungen als Erfahrungen zu werten, die uns weiterbringen.

Die Selbstentdeckung als Mann hat Einfluss auf unsere Lebensgestaltung. Wir versuchen diese an unserer persönlichen Berufung auszurichten. Diese Berufung ist jedem einzelnen als Lebensvision von Gott geschenkt.

Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gen 2,27

In der SMJ soll das, was in jungen Männern steckt, zum Zug kommen. Deshalb legen wir bei unseren Treffen auch Wert auf Sport und Spiel. Wir leiten die Teilnehmer an, kreativ und initiativ zu werden. Darum übernehmen Jugendliche schon früh die Verantwortung für Vorbereitung und Durchführung unserer Veranstaltungen.

Gelungene Lebensbeispiele und Vorbilder inspirieren uns für das eigene Leben. Ziele für die eigene Lebensgestaltung findet der einzelne leichter, je mehr er seine Grundkräfte kennen lernt. Das, was ihn aktuell bewegt und worin er für sich eine Botschaft erkennt, gibt ihm für den nächsten Schritt seiner Selbsterziehung die Richtung an. Die dabei gefassten Vorsätze nennen wir Partikularexamen.

Denn der Neue Mensch ist „vor Gott Kind, vor der Welt aber die kraftvollste, eigenwüchsigste und eigenständigste Mannesgestalt” (Josef Kentenich).

Apostolat

Die SMJ ist apostolisch und baut mit an der Zukunft von Welt und Kirche. Wir sind Apostel aus Begeisterung für Jesus Christus. So prägen wir die Zukunft.

Die Zukunft liegt uns am Herzen. Das fordert uns heraus, unsere Gesellschaft und Kirche mitzugestalten. Das beginnt im Kleinen, im Alltag und heißt für uns, das Gewöhnliche außergewöhnlich gut tun. Zukunft prägen beginnt in unserer nächsten Umgebung. Wir wollen zeigen: Leben als Christ kann gelingen.

Gemeinsam geben wir Zeugnis, dass christliche Gemeinschaft begeistert. Wir bauen diese Gemeinschaft mit denen, die dies wollen. Bei uns gibt es viele Möglichkeiten, sich dafür einzusetzen. Was wir dabei lernen, befähigt uns für unseren späteren Berufs- und Lebensweg. Wir werden ermutigt, in unsere Umwelt hineinzuwirken und selbst zum Vorbild zu werden. Auf diesem Weg tragen wir die Ideen Schönstatts in die Gesellschaft hinein.

Wir sind überzeugt, dass Gott jeden von uns zu einer einmaligen Aufgabe beruft. Wir sind die Jünger Christi, die er heute als Apostel senden will. Im Liebesbündnis mit Maria wollen wir unsere Sendung beGEISTert leben.

Und ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Grenzen der Erde. Apg 1,8

Die SMJ ist Teil der internationalen Schönstattbewegung. Das öffnet unseren Blick auch für die Jugend anderer Länder und Kulturen. Unter den vielen Gemeinschaften unserer Bewegung wissen wir uns mit der Schönstatt-Mädchenjugend besonders verbunden. Das Zusammenwirken mit ihr ist uns wichtig.

In der eigenen Umgebung aktiv werden, das ist Kennzeichen eines SMJ’lers. Wir setzen unsere Freizeit für unsere Veranstaltungen und Projekte ein. Viele von uns engagieren sich darüber hinaus in ihrer Kirche vor Ort, im sozialen oder politischen Bereich. Getragen wird unser Einsatz von der Überzeugung, dass auch der kleinste Beitrag zählt. Jeder ist wichtig und kann sich einbringen. Er darf sich und was er kann, ganz Ernst nehmen. Denn, tut einer etwas in Verbundenheit mit den anderen, kommt es dem Ganzen zu Gute, selbst wenn es unsichtbar bleibt. Im Liebesbündnis verschenken wir, als Möglichkeit fruchtbar zu werden, unser Tun und Beten in allen Lebenssituationen. Das nennen wir Beiträge zum Gnadenkapital.

Als Neue Gemeinschaft sind wir überzeugt, dass „am meisten heute diejenigen in der Welt wirken, die das göttliche Leben, das sie in sich tragen, ausstrahlen“ (Josef Kentenich).